
Baskenland, 17. Jahrhundert. Die junge Frau Kattalin (Yune Nogueiras) flieht vor ihrem Eheman (Xabi ‚Jabato‘ López) in den dunklen Wald. Tief in der Nacht, die gemäss lokalen Legenden den nokturnalen Wesen vorbehalten ist. Drei Frauen erzählen sich Horrorgeschichten am Waschbrunnen, die beiden Szenarien vermischen sich.
Regisseur und Drehbuchautor Paul Urkijo Alijo nutzt alte baskische Legenden und gibt ihnen einen modernen Twist. Der Film beginnt im Stil einer Anthologie, verschiedene Geschichten über lokale Spuckwesen werden ezählt. Doch einzelne Elemente haben sie alle gemeinsam und so webt sich langsam ein Teppich aus verschiedenen Perspektiven, der in eine kraftvolle Erzählung über Selbstbestimmung mündet.
Visuell stimmig nimmt Alijo die Zuschauer dabei in jedem Abschnitt des Film mit in die düstere Sagenwelt des Baskenlandes. Das Kreaturendesign in Gaia ist herausragend und viele Szenen wirken wie wunderschöne, lebendiggeworden Gemälde über alte Sagen. Kattalin sitzt unter mehreren Schichten Kleidung eingeschüchtert am heimischen Herd, ihr Eheman gegenüber im lockeren Hemd. Kleidung als Zeichen zugleich von Einengung und Schutz, Alijo versteht es Bilder statt Worte sprechen zu lassen.
Mit der beeindruckenden visuellen Inszenierung hält er die Stimmung auch am Beginn des Films, wenn die einzelnen Geschichten noch wie klassische, kurze Sagenerzählungen wirken, bevor er die traditionellen Sagen als Sprungbrett für eine eigene Interpretation nutzt. Liebhaber*Innen von alten Sagen kombiniert mit Horror sollten sich Gaua auf keinen Fall entgehen lassen.
4/5 Sterne
Gaua läuft noch zweimal am Neuchâtel International Fantastic Film Festival am 8. & 10. Juli 2026.
Gaua (engl. Titel: The Night) (2025), Regie: Paul Urkijo Alijo, Spanien/Vereinigte Staaten.
Schreibe einen Kommentar!